Schlechte Zeiten für den Weinbau
In der Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte Oidium, der Echte Mehltau, zum ersten Mal im Land auf, just zu einer Zeit, in der das Überseegeschäft für Portwein boomte. Gleichzeitig begann man, mit normalen, das heisst nicht gespriteten Weinen auf den Markt zu gehen. Bedeutende Mengen von mehr schlecht als recht gemachten Fassweinen fanden ihren Weg nach England und in die Kolonien nach Afrika und Südamerika. Das brasilianische Gold lockte, und die Nachfrage war gross. Umso grösser war der Schock, als nach dem Mehltau-Desaster die Reblaus ihr Vernichtungswerk begann. Nur in dem Gebiet Colares in der Estremadura widerstanden Reben, die metertief in trockenem Sandboden wurzelten, dem Insekt. Die Wiederbestockung gestaltete sich langwierig und schwierig. Man beging die gleichen Sünden wie überall in Europa und pflanzte streckenweise minderwertige Sorten, an denen der portugiesische Weinbau noch lange krankte.
Im Zuge der Säkularisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen riesige Ländereien aus dem Besitz der Kirche in öffentliche Versteigerungen. Eine neue Klasse an bürgerlichen Grossgrundbesitzern entstand, die nicht nur extensive Viehwirtschaft in grossem Stil aufzog. Einige der historischen bedeutenden Weinbesitzungen stammen aus dieser Epoche.