Diktatur
Das Ende des 19. Jahrhunderts führte Portugal erneut in ein politisches Chaos. Königsmord und Diktatur wechselten sich ab. Doch fällt in diese Zeit auch der Beginn einer neuen Ära für den Weinbau. Auf den Diktator João Franco geht das Fundament für das heutige DOC-System der kontrollierten Herkunftsgebiete zurück. Er liess ab 1906 mittels eines Reglements Gebiete wie Colares, Dão oder die Minho-Region als Regiões Demarcadas abgrenzen und ihre Weinproduktion schützen. Wenige Jahre später folgten Bucelas und Madeira.
Einige der Ereignisse, die die jüngere Geschichte Portugals bestimmten, scheinen sich im Nachbarland Spanien so gut wie spiegelbildlich, wenn auch nicht immer zeitgleich abgespielt zu haben: Das Scheitern der ersten Republik, dann zwei Diktaturen, die direkt ineinander übergingen. Ende der Zwanzigerjahre schwang sich António de Oliveira Salazar zum Diktator in Portugal auf. Ähnlich wie der 1939 nach dem spanischen Bürgerkrieg an die Macht gekommene „Caudillo“ Francisco Franco förderte Salazar die Entstehung regionaler Genossenschaften, liess dabei aber dem Wein vergleichsweise mehr Aufmerksamkeit zukommen. Salazars Bürokratie hob die allmächtige Junta Nacional do Vinho aus der Taufe, die die Selos de Granatia, die Kontrollsiegel der geschützten Herkunftsgebiete, einführte. Auf der anderen Seite waren beide Diktatoren mit einer misslichen Versorgungslage der Bevölkerung konfrontiert. In der Nachkriegszeit abgeschnitten von ihren ehemaligen Kolonien, wurden so genannte Getreidepläne umgesetzt. Regionen wie das Alentejo produzierten fortan nur noch Korn.
Die Kooperativen verhalfen der portugiesischen Weinwirtschaft noch einmal zu einer kurzzeitigen Erholung, wobei die Fassweine für die Exkolonien in Afrika und Südamerika immer schlechter wurden. In den Sechzigerjahren war die portugiesische Weinproduktion auf einem qualitativen Tiefpunkt.